Hohlmeier zur ukrainischen Flüchtlingserfahrung: Von Nothilfe zu nachhaltiger Integration

16.04.2026

Veranstaltung im Europäischen Parlament zu Vertreibung, Integration und kultureller Resilienz im Kontext des russischen Angriffskriegs / Hohlmeier fordert im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen stärkeren Fokus auf langfristige Integrationspolitik und gezielten Einsatz von EU-Instrumenten / Filmvorführung, Ausstellung und Zeitzeugenberichte unterstreichen Bedeutung von Kultur, Bildung und verlässlicher Information für gesellschaftlichen Zusammenhalt

„Was nehmen Sie mit, wenn Ihr ganzes Leben in einen Koffer passen muss?“ – Die ukrainische Flüchtlingserfahrung

Am 15. April organisierte Monika Hohlmeier, Mitglied des Europäischen Parlaments, eine Veranstaltung sowie eine Vorführung des Kurzfilms Dirt, eingebettet in die Ausstellung „Confiscated Memories“. Die Veranstaltung brachte politische Entscheidungsträger, Kulturschaffende, Journalisten und Experten zusammen, um über Vertreibung, Integration sowie die Rolle von Kultur und Medien in Kriegszeiten zu diskutieren. Zudem wurden Fotografien des ukrainischen Kriegsjournalisten Yan Dobronosov gezeigt, die den Alltag und die Widerstandsfähigkeit in der Ukraine seit Beginn der großangelegten Invasion dokumentieren.

Zur Eröffnung der Veranstaltung forderte Monika Hohlmeier, stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses, einen Übergang von kurzfristigen Krisenreaktionen hin zu nachhaltigen Integrationspolitiken im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen. Sie hob EU-Instrumente wie den Europäischen Sozialfonds Plus, den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds sowie Kreatives Europa als zentrale Werkzeuge sowohl für Integration als auch für kulturelle Unterstützung hervor. „Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainern haben in der Europäischen Union Schutz gefunden. Das ist nicht nur Solidarität – es ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft.“

Die Erste Vizepräsidentin Sabine Verheyen betonte die strategische Rolle von Kultur und Kino: „Kultur ist der Politik nicht nachgeordnet – sie ist ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Systeme. Das europäische Filmschaffen ist ein wirkungsvolles Instrument der Soft Power.“

Der Botschafter der Ukraine bei der Europäischen Union, S. E. Vsevolod Tchentsov, ging auf das Ausmaß der Vertreibung infolge der großangelegten Invasion Russlands ein.
Die Diskussion stützte sich auf reale Erfahrungsberichte ukrainischer Geflüchteter, die im Rahmen des Projekts „Let’s Shake Hands“ vorgestellt wurden, präsentiert von Svitlana Baldina und ihrem sechsjährigen Sohn Viktor Dynnyk: „Ich erinnere mich an die Angst in den Augen meiner Eltern – und diese Angst hat sich auf uns übertragen“, sagte Viktor. Ihr Beitrag unterstrich die Bedeutung von Bildungssystemen und früher Integration für den langfristigen gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Vorführung von Dirt unter der Regie von Lada Kopytova bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Film beleuchtet die psychologischen Auswirkungen von Vertreibung, insbesondere bei älteren Generationen. „Viele würden lieber bleiben und ihr Leben riskieren, als ihre Heimat zu verlassen“, erklärte Kopytova und verwies auf die mangelnde Repräsentation und Unterstützung für ältere Geflüchtete. Durch symbolische Elemente – etwa das Mitführen einer kleinen Menge Erde – thematisiert der Film grundlegende Fragen von Identität, Erinnerung und Zugehörigkeit.
Expertinnen und Experten hoben zentrale Herausforderungen hervor: Vít Novotný (Martens Centre) betonte, dass vorübergehender Schutz in langfristige Integration übergehen müsse, während die Wissenschaftlerin Dr. Sara Marino vor fragmentierten Ansätzen warnte und kohärente Politiken sowie digitale Netzwerke für den gesellschaftlichen Zusammenhalt forderte. Nathalie Georges (ARTE Reportage) unterstrich die Bedeutung der Kriegsberichterstattung in der Ukraine und in globalen Konfliktregionen als Grundpfeiler demokratischen Bewusstseins.

Die Veranstaltung vermittelte eine klare Botschaft: Europas Reaktion auf Vertreibung darf sich nicht auf Nothilfe beschränken – sie muss langfristige Integration, kulturelles Verständnis und verlässliche Informationen miteinander verbinden, um widerstandsfähige Gesellschaften aufzubauen.

Für weitere Informationen:
Monika Hohlmeier MdEP: +32 228 45191